{"id":1146,"date":"2018-03-03T00:17:05","date_gmt":"2018-03-02T22:17:05","guid":{"rendered":"http:\/\/xn--josfederspiel-dhb.net\/de\/?page_id=1146"},"modified":"2026-09-09T23:11:47","modified_gmt":"2026-09-09T21:11:47","slug":"about","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/xn--josfederspiel-dhb.net\/de\/?page_id=1146","title":{"rendered":"ABOUT"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>ZUR PERSON<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Arbeit von Jos\u00e9 Federspiel ber\u00fchren sich zwei gegens\u00e4tzliche Welten. Die physische Wucht der urbanen Stra\u00dfenkultur trifft auf eine stille, fast obsessive Hingabe an die mikroskopischen Details der Natur. Der 1977 in Chur geborene Artivist entzieht sich seit \u00fcber drei Jahrzehnten jeglicher Kategorisierung. Unter dem Pseudonym DaMos agiert er als Zeichner, digitaler Maler, Musikproduzent und Rapper. Sein gesamtes Werk entsteht aus der intensiven Reibung dieser unterschiedlichen Disziplinen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seine Wurzeln liegen im Graffiti der fr\u00fchen 1990er-Jahre. Bereits 1996 bespielte er die Galeria Fravi mit einer Einzelausstellung und gewann den Graffiti-Wettbewerb der vom Jugendsekretariat der Stadt St. Gallen organisiert wurde. 1998 folgte eine Ausstellung im Rahmen der \u201eUrban Skillz\u201c in der Roten Fabrik Z\u00fcrich. Diese rohe, ungez\u00e4hmte Energie kanalisierte er w\u00e4hrend seines Studiums der Bildenden Kunst an der Hochschule f\u00fcr Gestaltung und Kunst Luzern (HGK\/FH), das er mit Auszeichnung abschloss. Dass Federspiel ein feines Gesp\u00fcr f\u00fcr das Zusammenspiel von Bild und Rhythmus besitzt, wurde bald international sichtbar. Sein experimenteller Diplom-Kurzfilm&nbsp;<em>W\u00fcrfelwelt<\/em>&nbsp;aus dem Jahr 2002 war unter anderem im B\u00fcndner Kunstmuseum zu sehen, wurde 2003 f\u00fcr den renommierten Internationalen Medienkunstpreis des ZKM Karlsruhe nominiert und pr\u00e4miert. Ausstrahlungen auf Arte, SRF und 3sat best\u00e4tigten, wie m\u00fchelos seine hybride Bild- und Klangsprache das Publikum \u00fcber Genregrenzen hinweg erreicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Obwohl er sich um 2003 aus der aktiven Graffiti-Szene zur\u00fcckzog, bleibt die impulsive K\u00f6rperlichkeit seiner Anfangsjahre sp\u00fcrbar. In seinem digitalen Neo-Expressionismus verdichten sich rasante Skizzen, fragmentierte Graffiti-Typografie und schemenhafte Portr\u00e4ts zu einem dichten Geflecht. Diese Kunst ist rastlos und stark vom Rhythmus des Hip-Hop gepr\u00e4gt. Als Pionier des B\u00fcndner Rap, Mitbegr\u00fcnder der Oschtblock Kuabuaba und Produzent hat er diese Musikkultur \u00fcber Jahrzehnte massgeblich mitgestaltet. Seine Leidenschaft f\u00fcr die B\u00fchne f\u00fchrte ihn auch 2023 wieder f\u00fcr Live-Sets an das Big Air Chur sowie an das Churerfest. F\u00fcr sein weitreichendes, sparten\u00fcbergreifendes Schaffen w\u00fcrdigte ihn der Kanton Graub\u00fcnden 2011 mit einem offiziellen F\u00f6rderpreis f\u00fcr seine multimediale Arbeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einen radikalen, tief sinnlichen Kontrast zu dieser st\u00e4dtischen Lautst\u00e4rke bildet seine aktuelle, auf zehn Teile angelegte Serie&nbsp;<em>\u201eAnimals Around Me\u201c<\/em>. Hier zeigt sich Federspiels au\u00dfergew\u00f6hnlicher Umgang mit Zeit. Fernab von schnelllebigen digitalen Trends oder automatisierten KI-Bildwelten widmet er sich der lokalen Tierwelt in kompromissloser Handarbeit. Vom Rotfuchs bis zur Gemeinen Wespe entsteht jedes Motiv Strich f\u00fcr Strich. Zwischen 155 und 435 Stunden verbringt er mit einem einzigen Bild. Er zoomt tief in die digitale Leinwand hinein, studiert die Beschaffenheit jedes einzelnen Haares und den feinen Glanz eines Auges, bis das Tier eine fast greifbare Pr\u00e4senz entwickelt. Diese hyperrealistischen Arbeiten sind weit mehr als reine Abbilder. Sie sind intime, stark entschleunigte Ann\u00e4herungen an das Lebendige, die den Betrachter unweigerlich zum Innehalten zwingen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heute f\u00fchrt Jos\u00e9 Federspiel seine kreative Praxis aus seinem Atelier in Pf\u00e4fers im Taminatal, wo er auch seine Label Mosillus Media betreut. Dort lebt er mit seiner Frau und seinen zwei Kindern. Eingebettet in die massive Bergwelt der Ostschweiz w\u00e4chst ein Werk von seltener Tiefe heran. Es tr\u00e4gt den harten Puls der Stadt in sich, besitzt aber gleichzeitig die meisterhafte Geduld, der Natur beim Atmen zuzusehen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>AAM \u2013 Animals Around Me (Serie I\u2013II)<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit der Serie&nbsp;<em>Animals Around Me<\/em>&nbsp;widmet Jos\u00e9 Federspiel die volle Aufmerksamkeit den Tieren seiner unmittelbaren Umgebung. In einer \u00c4ra, in der digitale Kunst oft mit fl\u00fcchtigen Klicks verwechselt wird, beweist er echten&nbsp;<strong>kunsthistorischen Pioniergeist<\/strong>: Als Vorreiter der digitalen Malerei zeigt er, wie dieses moderne Medium mit maximaler handwerklicher und konzeptioneller Tiefe gef\u00fcllt werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hinter der gesamten Arbeit steht eine einzige, kompromisslose Regel, die das Fundament des Projekts bildet:&nbsp;<strong>Das dargestellte Tier muss in seiner Heimat, in der unmittelbaren Umgebung, real gesichtet oder zumindest geh\u00f6rt worden sein.<\/strong>&nbsp;Diese pers\u00f6nliche Verbindung macht die Serie zu einer intimen Chronik des eigenen Lebensraums und hebt sie von einer rein theoretischen Auseinandersetzung ab.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seine hyperrealistischen Werke sind das genaue Gegenteil von einem blo\u00dfen Abmalen einer Fotografie. Jedes Bild basiert auf einem komplexen, fast schon forschenden Prozess, bei dem unz\u00e4hlige Vorlagenfotos zu einer v\u00f6llig neuen, pr\u00e4zisen Bildkomposition fusionieren. F\u00fcr die mikroskopischen Details zieht Federspiel zudem reale Pr\u00e4parate heran. Dieses Schaffen verfolgt einen klaren&nbsp;<strong>wissenschaftlichen Ansatz<\/strong>, der sich systematisch in zwei aufeinander aufbauende Zyklen gliedert. In der&nbsp;<em>Serie I \u2013 Insekten<\/em>&nbsp;fokussiert sich der Beginn der Reise auf die kleinsten, oft \u00fcbersehenen Bewohner unseres \u00d6kosystems. Hier kommt die Arbeit mit Pr\u00e4paraten und der mikroskopische Detailgrad in den feinen Strukturen von Fl\u00fcgeln und Panzern besonders radikal zum Tragen. Mit der darauf folgenden&nbsp;<em>Serie II \u2013 S\u00e4ugetiere<\/em>&nbsp;erweitert sich der Blick auf die komplexen Anatomien, Fellstrukturen und den individuellen Ausdruck der heimischen S\u00e4uger, was das Medium der digitalen Malerei auf einer v\u00f6llig neuen, organischen Ebene herausfordert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein zentrales visuelles Merkmal der gesamten Reihe ist die radikale Platzierung der Tiere auf einer rein&nbsp;<strong>wei\u00dfen Hintergrundebene<\/strong>. Indem sie vollst\u00e4ndig aus ihrem nat\u00fcrlichen Kontext herausgel\u00f6st werden, blendet Federspiel das Rauschen und die Ablenkung unserer Zivilisation komplett aus. Das Wei\u00df ist hier keine Leere, sondern ein bewusster, gesch\u00fctzter Raum. Es ist eine Art zeitlose Arche aus Pixeln, die das Tier kompromisslos in den Mittelpunkt stellt und ihm seine absolute W\u00fcrde zur\u00fcckgibt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor dem Hintergrund des Klimawandels und des globalen&nbsp;<strong>Artensterbens<\/strong>&nbsp;erh\u00e4lt dieses visuelle Archiv eine brennende Relevanz. Ohne zu verurteilen oder zu belehren, r\u00fcckt Federspiels Kunst die Schutzbed\u00fcrftigkeit und Zerbrechlichkeit unserer vertrauten Tierwelt in den Fokus. Er portr\u00e4tiert Wesen wie das klassische rot-schwarze Marienk\u00e4ferchen oder das heimische rotbraune Eichh\u00f6rnchen, um an ihre sanfte, oft bedrohte Pr\u00e4senz in unserem Alltag zu erinnern. So wird jedes Werk zu einem Akt tiefster&nbsp;<strong>Wertsch\u00e4tzung der eigenen Natur<\/strong>&nbsp;und zu einem bleibenden, behutsamen&nbsp;<strong>Zeitzeugen<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Durch diese hochpr\u00e4zise digitale Malerei gelingt ein stilles, aber intensives Portr\u00e4t jener Lebewesen, die unseren Lebensraum teilen.&nbsp;<em>Animals Around Me<\/em>&nbsp;fungiert als meditative Ann\u00e4herung an Gegenwart und Wahrnehmung und setzt einen kraftvollen Gegenentwurf zum schnellen Produzieren und Konsumieren visueller Inhalte.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wertsch\u00e4tzung im Atelier<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Anthropologe Philippe Descola thematisiert in&nbsp;<em>Jenseits von Natur und Kultur<\/em>&nbsp;die westliche Trennung von Mensch und Natur als historisch gewachsenes, kulturell gef\u00e4rbtes Konstrukt. Federspiels Werk positioniert sich bewusst dagegen: Seine Tierportr\u00e4ts fungieren nicht als romantisierte Naturbilder, sondern als&nbsp;<strong>gleichwertige Pr\u00e4senz<\/strong>&nbsp;\u2013 frei von Folklore, Pathos oder sentimentaler Naturverkl\u00e4rung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der digitale Malprozess \u2013 oft\u00a0<strong>200 bis 400+ Stunden pr\u00e4zise Handarbeit<\/strong>\u00a0\u2013 wird so zu einem\u00a0<strong>Akt der Anerkennung<\/strong>. Er folgt der Idee der Resonanz (Hartmut Rosa): einer langsamen, beharrlichen Ann\u00e4herung an das Andere, an das Lebendige. In einer Zeit, die von Umweltzerst\u00f6rung und Klimakrise gepr\u00e4gt ist, werden Federspiels Bilder zu\u00a0<strong>stillen Gegenr\u00e4umen<\/strong>, in denen Betrachtung, Stille und Begegnung m\u00f6glich werden.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Der kreative Prozess<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Federspiel arbeitet nicht mit einer einzigen Fotoreferenz, sondern komponiert komplexe&nbsp;<strong>Fotocollagen<\/strong>&nbsp;aus eigenen Makroaufnahmen, Beobachtungen und erg\u00e4nzenden Recherchen. Fehlende anatomische Details rekonstruiert er aus dem Ged\u00e4chtnis oder nach Austausch mit Tierpr\u00e4paratoren. So entsteht eine&nbsp;<strong>Synthese aus wissenschaftlicher Genauigkeit und k\u00fcnstlerischer Imagination<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein pr\u00e4gnantes Beispiel ist das Portr\u00e4t eines&nbsp;<strong>Gr\u00fcnen Heupferds<\/strong>, das rund 200 Stunden beanspruchte. Die minuti\u00f6se Detailtiefe verweist auf eine Haltung, die das Tier nicht als Objekt, sondern als&nbsp;<strong>Subjekt<\/strong>&nbsp;begreift \u2013 und kn\u00fcpft damit an Diskurse der&nbsp;<strong>Animal Studies<\/strong>&nbsp;und der&nbsp;<strong>posthumanistischen \u00c4sthetik<\/strong>&nbsp;an.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Weitere Werkserien<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>QUBES (2018\u20132020)<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Serie digitaler Collagen, die auf alten Graffiti-Skizzen basiert. Abstrakte Elemente \u00fcberlagern urbane Zeichen. Dadurch entsteht ein&nbsp;<strong>hybrider Stil<\/strong>, der zwischen Subkultur, digitaler Fragmentierung und futuristischer Konstruktion vermittelt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>BLACK LINES<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine radikale Reduktion auf Schwarz und Wei\u00df \u2013 ohne Graustufen, ohne \u00dcberg\u00e4nge. Diese Arbeiten erkunden&nbsp;<strong>Kontrast, Bruch und Unvers\u00f6hnlichkeit<\/strong>. Sie spiegeln gesellschaftliche Spannungsfelder und \u00fcbersetzen die Komplexit\u00e4t der Gegenwart in eine kompromisslose visuelle Klarheit.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>BETWEEN \/ DAZWISCHEN<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier treffen fotorealistische Naturfotografien \u2013 meist aus der n\u00e4heren Umgebung \u2013 auf typografische und graffitiartige Elemente. Die Serie \u00f6ffnet ein Feld zwischen&nbsp;<strong>Natur und Kultur, Erinnerung und urbaner Gegenwart<\/strong>, und erz\u00e4hlt von den unscharfen Zonen dazwischen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Technik &amp; Haltung<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seit mehr als 15 Jahren arbeitet Federspiel digital mit einem&nbsp;<strong>Wacom Cintiq<\/strong>, einem druckempfindlichen Stift-Display, das pr\u00e4zise manuelle Eingriffe mit digitaler Flexibilit\u00e4t verbindet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ZUR PERSON In der Arbeit von Jos\u00e9 Federspiel ber\u00fchren sich zwei gegens\u00e4tzliche Welten. Die physische Wucht der urbanen Stra\u00dfenkultur trifft auf eine stille, fast obsessive Hingabe an die mikroskopischen Details der Natur. Der 1977 in Chur geborene Artivist entzieht sich seit \u00fcber drei Jahrzehnten jeglicher Kategorisierung. 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