{"id":1146,"date":"2018-03-03T00:17:05","date_gmt":"2018-03-02T22:17:05","guid":{"rendered":"http:\/\/xn--josfederspiel-dhb.net\/de\/?page_id=1146"},"modified":"2025-12-06T21:45:49","modified_gmt":"2025-12-06T19:45:49","slug":"about","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/xn--josfederspiel-dhb.net\/de\/?page_id=1146","title":{"rendered":"ABOUT"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>ZUR PERSON<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Jos\u00e9 Federspiel, alias DaMos, ist ein lebendiger Strom aus Farbe, Beat und Pixel, der seit \u00fcber drei\u00dfig Jahren rastlos unterwegs zwischen Spraydose und Bildschirm, zwischen Bergtal und Bassline, zwischen wildem Strich und chirurgischer Pr\u00e4zision. Er ist der Typ, der mit der gleichen Energie eine Wand in der Nacht zerfetzt, einen Hyperreal-Igel bis ins letzte Barthaar lebendig macht und nachts noch einen Track produziert, der einem die Schuhe auszieht.<\/p>\n\n\n\n<p>1977 in Chur geboren, begann er 1993 W\u00e4nde und Videob\u00e4nder zu erobern. An der Hochschule f\u00fcr Gestaltung und Kunst Luzern (HGK\/FH) studierte er Bildende Kunst und schloss mit Auszeichnung ab. Seine Diplomarbeit, der experimentelle Kurzfilm W\u00fcrfelwelt (2002), wurde f\u00fcr den Internationalen Medienkunstpreis des ZKM Karlsruhe nominiert, pr\u00e4miert und auf Arte, SRF und 3Sat ausgestrahlt \u2013 ein fr\u00fcher Beweis, dass seine hybride Bild- und Klangsprache bereits damals Grenzen sprengte.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch wenn er die aktive Graffiti-Szene um etwa 2003 verlie\u00df, floss die Energie der Stra\u00dfe weiter: in tausende Skizzen und Zeichnungen, die er mit dem ganzen K\u00f6rper aufs Papier schleudert, bevor er sie ins Digitale jagt. Dort explodiert sie in einem digitalen Neo-Expressionismus aus kalligrafischen St\u00fcrmen, verschluckten Schriften und Gesichtern, die sich in Tags verwandeln. Alles vibriert, als w\u00e4re die Leinwand noch immer eine n\u00e4chtliche Mauer \u2013 nur dass die Farbe besteht jetzt aus Licht.<\/p>\n\n\n\n<p>Gleichzeitig taucht DaMos in die andere Richtung ab: In der Serie &#8220;Animals Around Me&#8221; erweckt er Igel, Hermelin, Insekten mit hyperrealer Sch\u00e4rfe zum Leben. Jede Borste, jeder Blick, jedes Zucken eines Ohrs ist so pr\u00e4sent, dass man den Atem der Tiere zu sp\u00fcren meint \u2013 eine fast meditative Stille, die den urbanen L\u00e4rm seiner anderen Arbeiten auf wundersame Weise erg\u00e4nzt.<\/p>\n\n\n\n<p>2011 zeichnete ihn der Kanton Graub\u00fcnden mit einem F\u00f6rderpreis f\u00fcr Multimedia und Musik aus. Als einer der pr\u00e4genden K\u00f6pfe der B\u00fcndner Hip-Hop-Szene (die 2022 ihr 30-Jahr-Jubil\u00e4um feierte) hat er die regionale Musikkultur \u00fcber Jahrzehnte mitgestaltet \u2013 als Rapper, Produzent und Gestalter.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute umfasst sein Schaffen digitale Malerei, audiovisuelle Performances sowie Rap- und elektronische Musikproduktionen. Seit \u00fcber zwanzig Jahren arbeitet er selbstst\u00e4ndig als Grafikdesigner, Illustrator und freier K\u00fcnstler.<\/p>\n\n\n\n<p>Jos\u00e9 Federspiel lebt mit seiner Frau und den beiden Kindern (geboren 2010 und 2015) im Taminatal. Dort, zwischen Bergflanken und Servergl\u00fchen, entsteht ein Werk, das die Stra\u00dfe nie verstummen l\u00e4sst \u2013 es hat sich nur vertieft, ver\u00e4stelt und ist still genug geworden, um auch das Fl\u00fcstern der Wildnis zu h\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>AAM \u2013 Animals Around Me (Serie I\u2013II)<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Mit der Serie&nbsp;<em>Animals Around Me<\/em>&nbsp;widmet Federspiel die volle Aufmerksamkeit den Tieren seiner unmittelbaren Umgebung. Durch&nbsp;<strong>hochpr\u00e4zise digitale Malerei<\/strong>&nbsp;entsteht ein stilles, aber intensives Portr\u00e4t jener Lebewesen, die seinen Lebensraum teilen. Die Werke fungieren als&nbsp;<strong>meditative Ann\u00e4herungen an Gegenwart und Wahrnehmung<\/strong>&nbsp;\u2013 und als bewusster Gegenentwurf zum schnellen Produzieren und Konsumieren visueller Inhalte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die einzige Regel:<br><strong>Das Tier muss an seinem Wohnort gesichtet oder zumindest geh\u00f6rt worden sein.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Aktuell arbeitet Federspiel an einem Portr\u00e4t eines Wolfs, dessen Heulen er nachts vernommen hat \u2013 eine Begegnung, die ausschlie\u00dflich akustisch stattfand und gerade deshalb eine besondere Form der Imagination erfordert. Die Tiere werden aus ihrem nat\u00fcrlichen Kontext herausgel\u00f6st, um den Blick ausschlie\u00dflich auf ihre&nbsp;<strong>physiognomische Einzigartigkeit<\/strong>&nbsp;zu lenken. Dieser Ansatz erinnert an wissenschaftliche Typologien und \u00fcberf\u00fchrt sie in eine zutiefst pers\u00f6nliche Bildsprache.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wertsch\u00e4tzung im Atelier<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Der Anthropologe Philippe Descola thematisiert in&nbsp;<em>Jenseits von Natur und Kultur<\/em>&nbsp;die westliche Trennung von Mensch und Natur als historisch gewachsenes, kulturell gef\u00e4rbtes Konstrukt. Federspiels Werk positioniert sich bewusst dagegen: Seine Tierportr\u00e4ts fungieren nicht als romantisierte Naturbilder, sondern als&nbsp;<strong>gleichwertige Pr\u00e4senz<\/strong>&nbsp;\u2013 frei von Folklore, Pathos oder sentimentaler Naturverkl\u00e4rung.<\/p>\n\n\n\n<p>Der digitale Malprozess \u2013 oft&nbsp;<strong>200 bis 300 Stunden pr\u00e4zise Handarbeit<\/strong>&nbsp;\u2013 wird so zu einem&nbsp;<strong>Akt der Anerkennung<\/strong>. Er folgt der Idee der Resonanz (Hartmut Rosa): einer langsamen, beharrlichen Ann\u00e4herung an das Andere, an das Lebendige. In einer Zeit, die von Umweltzerst\u00f6rung und Klimakrise gepr\u00e4gt ist, werden Federspiels Bilder zu&nbsp;<strong>stillen Gegenr\u00e4umen<\/strong>, in denen Betrachtung, Stille und Begegnung m\u00f6glich werden.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Der kreative Prozess<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Federspiel arbeitet nicht mit einer einzigen Fotoreferenz, sondern komponiert komplexe&nbsp;<strong>Fotocollagen<\/strong>&nbsp;aus eigenen Makroaufnahmen, Beobachtungen und erg\u00e4nzenden Recherchen. Fehlende anatomische Details rekonstruiert er aus dem Ged\u00e4chtnis oder nach Austausch mit Tierpr\u00e4paratoren. So entsteht eine&nbsp;<strong>Synthese aus wissenschaftlicher Genauigkeit und k\u00fcnstlerischer Imagination<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein pr\u00e4gnantes Beispiel ist das Portr\u00e4t eines&nbsp;<strong>Gr\u00fcnen Heupferds<\/strong>, das rund 200 Stunden beanspruchte. Die minuti\u00f6se Detailtiefe verweist auf eine Haltung, die das Tier nicht als Objekt, sondern als&nbsp;<strong>Subjekt<\/strong>&nbsp;begreift \u2013 und kn\u00fcpft damit an Diskurse der&nbsp;<strong>Animal Studies<\/strong>&nbsp;und der&nbsp;<strong>posthumanistischen \u00c4sthetik<\/strong>&nbsp;an.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Weitere Werkserien<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>QUBES (2018\u20132020)<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Eine Serie digitaler Collagen, die auf alten Graffiti-Skizzen basiert. Abstrakte Elemente \u00fcberlagern urbane Zeichen. Dadurch entsteht ein&nbsp;<strong>hybrider Stil<\/strong>, der zwischen Subkultur, digitaler Fragmentierung und futuristischer Konstruktion vermittelt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>BLACK LINES<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Eine radikale Reduktion auf Schwarz und Wei\u00df \u2013 ohne Graustufen, ohne \u00dcberg\u00e4nge. Diese Arbeiten erkunden&nbsp;<strong>Kontrast, Bruch und Unvers\u00f6hnlichkeit<\/strong>. Sie spiegeln gesellschaftliche Spannungsfelder und \u00fcbersetzen die Komplexit\u00e4t der Gegenwart in eine kompromisslose visuelle Klarheit.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>BETWEEN \/ DAZWISCHEN<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Hier treffen fotorealistische Naturfotografien \u2013 meist aus der n\u00e4heren Umgebung \u2013 auf typografische und graffitiartige Elemente. Die Serie \u00f6ffnet ein Feld zwischen&nbsp;<strong>Natur und Kultur, Erinnerung und urbaner Gegenwart<\/strong>, und erz\u00e4hlt von den unscharfen Zonen dazwischen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Technik &amp; Haltung<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Seit mehr als 15 Jahren arbeitet Federspiel digital mit einem&nbsp;<strong>Wacom Cintiq<\/strong>, einem druckempfindlichen Stift-Display, das pr\u00e4zise manuelle Eingriffe mit digitaler Flexibilit\u00e4t verbindet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ZUR PERSON Jos\u00e9 Federspiel, alias DaMos, ist ein lebendiger Strom aus Farbe, Beat und Pixel, der seit \u00fcber drei\u00dfig Jahren rastlos unterwegs zwischen Spraydose und Bildschirm, zwischen Bergtal und Bassline, zwischen wildem Strich und chirurgischer Pr\u00e4zision. 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